HERZLICH WILLKOMMEN IN ST. JAKOB
 
 
Maria - die Schmerzensmutter
DIE BEWEINUNGSGRUPPE

In der Jakobskirche fehlt es nicht gerade an Darstellungen unseres Namenspatrons, aber es gibt noch mehr Marienbildnisse!
Die Muttergottes – königlich, von Heiligen umrahmt, im Marienaltar gleich vorne an der Nordwandseite, beschützend als Schutzmantelmadonna auf dem Altartafelbild an der hinteren Südwand, jugendlich in den drei Anna-Selbdritt-Darstellungen,, erwartungsvoll in der Heimsuchungsgruppe, ja sogar als Neugeborenes in der „Geburt Mariens“ in der Predella des Hagelheimer Altars.

Und natürlich mit dem eigenen Baby, dem Jesuskind – zweimal als Sandsteinstatuen „Maria mit dem Kind“ an der Nordwand und oben im nördlichen Hochchor sowie als kleine Skulptur „Maria und Josef mit dem Kind“ in der Wandnische rechts vom Hochaltar. Und auf diesem, auf dem linken Flügel, die lebendigste Darstellung in unserer Kirche: Maria mit dem Jesuskind auf einem Tafelgemälde im Stile Giottos, entspannt in südlicher Atmosphäre sitzend, umringt von Menschen, Tieren, Engeln…

Doch auf dem 2. Altarflügel, direkt gegenüber – nur so deutlich erkennbar, wenn beide Flügel unter der Woche oder in der Passionszeit geschlossen sind – eine zusammengesunkene Maria im dunklen Gewand, mit dem Schwert, das ihr Herz durchbohrt: Maria die Schmerzensmutter.

Als solche ist sie auch in der Kreuzigungsgruppe über dem Zwölf-Boten-Altar dargestellt, mit schmerzverzerrtem Gesicht unter dem Kreuz, Johannes auf der anderen Seite trauernd.

Die Beweinungsgruppe auf einem Sandsteinpostament unterhalb dieser Szene zeigt noch einmal Maria und Johannes mit dem toten Heiland. Sein ausgemergelter Leib, aus dem die Rippen hervorstehen, hängt schlaff in den Armen seiner Mutter.. Das Kind, das aus ihrem Schoß gekommen ist, wird ihr nun nach 33 Jahren als Leichnam wieder in den Schoß gelegt, einer reifen Frau, die ihn in stummem, würdevollem Schmerz mit fast geschlossenen Augen mit ihren schmalen Händen umfasst.

Johannes mit fassungsloser Miene hinter ihr stützt den Kopf seines Meisters. Trauer und Verzweiflung liegen über dieser Szene.

Die Dreiergruppe ist um 1500 von einem unbekannten Meister geschaffen worden. Man weiß nicht, wann sie nach St. Jakob gelangt ist. Bis zur Wiedereinweihung der Kirche 1963 stand die Beweinungsgruppe im German. Nationalmuseum, wo der entstellende Anstrich des 19. Jhd. von Restaurator Carl Barfus in den 50er Jahren entfernt und die leuchtenden ursprünglichen Farben wieder hergestellt wurden.

Die Gruppierung stellt in der deutschen Plastik einen Sonderfall dar, da zu der trauernden Maria mit dem toten Christus noch Johannes als Begleiter kommt. Üblicher war im Mittelalter die Pietà (Marienklage), die sich im 14./15. Jhd. zur meisterhaften Kunst entwickelt hat. Sie stellt immer die Beweinung Christi durch seine Mutter dar.